Ich fühle, also bin ich

Texte zur Gefühlsschule

Ich fühle, also bin ich

Gefühlsschule mit Martin Rubeau

Die Bedeutung der Gefühle für ein erfülltes Leben kommt immer mehr in der Mitte der Gesellschaft an. In Betrieben wächst die Wertschätzung der emotionalen Intelligenz, die Hirnforschung erforscht die Bildung neuer Vernetzungen durch „emotionale Aktivierung“, Lebensfreude und stabile Beziehungen sind für immer mehr Menschen wichtiger als die große Karriere. Weil der Zugang zu und der Umgang mit unseren eigenen Gefühlen nicht immer leicht und selbstverständlich ist, gibt es in Berlin seit Jahren die Gefühlsschule. 

Die Vorherrschaft unseres Verstandes und unserer Vernunft in den letzten Jahrhunderten hat uns weit gebracht. Doch klares Denken und materieller Wohlstand allein führt nicht zu innerer Zufriedenheit. Auch auf dem spirituellen Weg fehlt etwas Wesentliches, wenn wir versuchen, bestimmte Gefühle zu umgehen. Um uns innerlich lebendig zu fühlen, um in einen vollen Kontakt mit uns selbst und mit der Welt zu treten, brauchen wir unsere Gefühle. Sie geben unserem Leben Geschmack, Farbe, Tiefe und Orientierung. Menschen, die keine Gefühle zeigen, wirken oft unlebendig. Sie lassen uns regelrecht kalt – oder sie verunsichern uns, weil wir nicht einschätzen können, was in ihnen vorgeht.

Gefühle schaffen Verbindung

Kleine Kinder sind mit ihren Gefühlen ganz direkt verbunden: sie jauchzen vor Vergnügen, weinen in tiefster Traurigkeit oder schreien ihre unbändige Wut heraus. Wenn wir älter werden, lernen viele von uns sich zurück zu ziehen und ihre Gefühle abzuspalten. Wir entwickeln eine dicke Haut, die uns vor Verletzung schützen soll, verschließen unser Herz, haben Angst vor Bindung und Abhängigkeit. Wer den Kontakt zu seinen Gefühlen verliert, verliert jedoch den Kontakt zu sich selbst und zu anderen.

In der Gefühlsschule schaffen wir ein Klima von Vertrauen und Offenheit und fangen mit einfachen Übungen an: was nehme ich gerade in meinem Körper wahr, wie fühlt sich das an, wie kann ich es beschreiben? Vielen wird dabei erstmals bewusst, dass sie gut und schnell im Denken sind, dass sie dabei aber wenig spüren. Diese Einsicht kann uns verunsichern, aber auch zur Veränderung motivieren.

Sich selbst nahe sein

In der Gefühlsschule üben wir, unseren Alltag und unsere Verhaltensweisen unter dem Aspekt des Fühlens bzw Nichtfühlens zu betrachten und uns darüber auszutauschen. Die Gruppe mit ihrer Dynamik und ihrer Vielfalt an Menschen bietet das ideale Umfeld dafür. Und sie bietet einen geschützten Rahmen, in dem wir abgespaltene Gefühle wie Einsamkeit, Verlassenheit und Wut, aber auch unsere Sinnlichkeit und Großartigkeit neu entdecken, annehmen und ausdrücken können. Es kommt letztlich nicht darauf an, was wir fühlen, sondern dass wir fühlen: denn im Fühlen erleben wir uns selbst, spüren unsere Kraft. Wir kommen uns selbst und anderen nahe.

Fühlen als Kompass

Wenn wir unseren Gefühlen vertrauen, haben sie eine wichtige Orientierungsfunktion. Viele Menschen haben Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen – weil sie versuchen, auf der sachlichen Ebene die beste Lösung zu finden. In der Tiefe unseres Seins haben wir jedoch keine Schwierigkeiten uns zu entscheiden. Wenn wir üben, in uns hinein zu lauschen und auf unsere Gefühle zu vertrauen, finden wir Zugang zu dieser Tiefe und zu unserem intuitiven Wissen.

Denken UND Fühlen

Ziel der Gruppe ist es, unser Gefühlsrepertoire zu entwickeln: wir werden feinsinniger und gefühlsbetonter, wacher, innerlich beweglicher, unsere Begegnungen werden intensiver und nährender. Schritt für Schritt streifen wir die Opferrolle ab und übernehmen die Verantwortung für unser Leben: aus automatischen Reaktionen auszusteigen, kann eine beglückende Erfahrung sein! Je mehr wir unsere Gefühle fühlen und mit anderen in Resonanz treten können, umso lebendiger, vielschichtiger, mitfühlender, umso lust- und kraftvoller werden wir.

Darüber hinaus heißt es, dass das Annehmen all unserer Gefühle – auch der ungeliebten – günstige Voraussetzungen dafür schafft, Einheitserfahrungen zu machen. Der Verstand soll damit nicht diskreditiert werden. Lösungsorientiertes Denken ist unentbehrlich – warum also nicht beides leben: ich denke UND fühle, also bin ich!

 

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kombilogo 06.12.

 

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