Grundgedanken der Gefühlsschule

Texte zur Gefühlsschule

Grundgedanken der Gefühlsschule

Fühlen, Spüren und Ausdrücken von Gefühlen sind zentrale Bestandteile von psychischem Wohlbefinden

Gefühle sind Bestandteil unseres genetischen Codes. Sie gehören genauso zu uns wie unsere Nase und unsere Beine. Gefühle versetzen uns in Hochstimmungen, aber auch in tiefste Verzweiflung. Sie können der Himmel, aber auch die Hölle in unserem Leben sein.

Den – meist unbewussten – Wunsch, tiefere Gefühle zu vermeiden, kann man daher schon verstehen. Und doch ist es ein hoffnungsloses Unterfangen: Wir sind nun mal Menschen mit einem Verstandes- und einem Gefühlsbezug. Es geht also darum, mit dieser kostbaren Fähigkeit, der Fähigkeit zu fühlen, auf eine angemessene Weise umzugehen.

Es heißt, Gefühle sind die Sprache der Seele. Wenn wir fühlen, sind wir uns selbst am nächsten, sind wir unserer Wahrheit am nächsten, sind wir unseren Mitmenschen am nächsten. Wenn wir herausfinden wollen, was für uns wahr ist, dann brauchen wir nur auf unsere Gefühle zu achten. Die tieferen, ruhigeren und innigeren Gefühle zeigen sich, wenn wir zur Ruhe kommen. Wir sind es gewohnt, uns über unser Denken zu definieren: „Ich denke, also bin ich.“

Doch die Dimension des Verstandes ist begrenzt. Je mehr wir fühlen, desto weiter, größer und reicher werden wir im Inneren. Unsere Gefühle sind der Ausdruck unseres Reichtums, unseres eigentlichen Wesens.

Warum nenne ich meine Gruppen “Gefühlsschule”?

Was wir in der Gefühlsschule erlernen und praktizieren ist etwas, das wir eigentlich schon können. Oder einmal konnten und vergessen haben. Denn wie gesagt, wir wurden mit der Fähigkeit zu fühlen geboren. Das Fühlen lässt sich also wieder erlernen, indem wir die Barrieren, die sich davor gebildet haben, beiseite räumen.

So wie wir es lernen können, in immer komplexeren Zusammenhängen zu denken, so wird auch unser “Gefühlsrepertoire” geschult: Wir werden immer feinsinniger und gefühlsbetonter, unsere Intuition wird gestärkt, unser Erleben wird intensiver, praller und gegenwärtiger. Je mehr wir unsere eigenen Gefühle fühlen und mit anderen in eine gefühlsmäßige Resonanz treten können, umso mitfühlender werden wir, umso mehr lernen wir zu lieben!

Es geht darum, unsere Gefühle, unsere Empfindsamkeit und unsere Berührbarkeit wieder als Teil von uns zu erleben. Gefühle sind von großer Bedeutung für unser Leben. Sie sind keine Störfaktoren, sondern innere Leuchttürme für unsere Orientierung. Es gibt Menschen, die funktionieren prächtig, besetzen wichtige Positionen und verdienen sehr viel Geld – doch gleichzeitig ist ihre Gefühlswelt verkümmert, sie sind emotional unreif oder gar innerlich leblos.

Zwei sich ergänzende Faktoren sind es, die unsere natürliche Entwicklung behindern:

Eine stark leistungsorientierte Gesellschaft, in der Funktionieren gefragt ist, misst Gefühlen eine eher untergeordnete Bedeutung bei. Man zeigt keine oder wenig Gefühle und es wird uns suggeriert, dass es ohne besser gehe. Und man suggeriert uns weiter, dass sich derjenige sicherer bewegt, der seine Gefühle eher nicht fühlt.

In unserer Kindheit sind wir in unserem empfindsamen und verletzlichen Zustand mehr oder weniger nicht angemessen verstanden, ja vielleicht sogar verlacht und/oder zurückgewiesen worden. Dies war so schrecklich, dass wir gelernt haben unsere Angst, unsere Wut, unsere Kränkung, aber auch unsere Freude und Lebendigkeit zu verdrängen. Dann waren wir die Schwierigkeiten scheinbar los, aber es rumort weiter in uns und äußert sich später in Form von Beziehungsschwierigkeiten, Einsamkeit, Depression usw. Wenn wir in unserer Kindheit enttäuscht, verletzt, verlacht und beschämt wurden, dann
haben wir uns in uns zurückgezogen, um uns zu schützen. Wir haben gelernt, nichts mehr oder nur wenig zu fühlen.

Dieser Schutzmechanismus hat sich dann verselbständigt und verfestigt und hindert uns jetzt daran, ein gefühlvolles, freudvolles Leben zu leben.

Was ist Dein Einsatz?

Für viele Gruppenmitglieder ist die Therapie und auch die Gefühlsschule zunächst eine Art „Wahrnehmungsschule“. Wir üben, unsere Verhaltensweisen, unsere Reaktionen und Emotionen wahrzunehmen, ohne sie zu bewerten. Wie alles, was man neu lernt, braucht es Einsatz: die Resultate bleiben begrenzt, wenn Du nur eine Stunde pro Woche oder eben jeden Mittwochabend praktizierst. Daher lade ich Dich ein, dem Üben, dem immer wieder Probieren eine gewisse Priorität in Deinem Leben einzuräumen: Ich verspreche Dir, dass das Hinschauen und Entdecken, das Spekulieren über das eigene Denken, Fühlen, Verhalten, Träumen, wie Du Dich in Beziehung zu anderen erlebst usw. zu einer spannenden und lohnenden Entdeckungsreise wird. Wenn Du wirklich übst wahrzunehmen, ohne sofort zu bewerten, macht diese Reise viel Spaß! Stell Dir vor, Du bist der Kleine Prinz, der mit großen Augen und ganz unschuldig einfach nur fragt und sieht und staunt. Ich bezeichne diese Haltung gerne als „folgenlose Neugierde“.

Und doch ist es wichtig hinzuzufügen: Beim Üben können wir auch die teilweise schmerzhafte Erfahrung machen, wie begrenzt unsere Fähigkeit ist, wieviel „Schutt“ wir im Laufe des Lebens angesammelt haben, um unseren innersten verletzlichen Kern mit Zynismus, intellektuellem Gehabe, Depression, Flucht in die innere Emigration, in Alkohol usw. zu schützen.

Hier kann ich Dich nur ermuntern: Die Gruppe ist ein Schutzraum, ein Refugium, Du kannst hier lernen, Dich genau so zu zeigen, wie Du eben bist und auch die Erfahrung zu machen, dass es den anderen nicht viel anders geht…

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Grundgedanken der Gefühlsschule

 

 

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kombilogo 06.12.

 

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